DRTMND NRD

Posted by | January 12, 2017 | Sound, Stadt | No Comments
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My posse is large.

Zur Zeit schwirren einige mächtige Dubplates in den Sets besonderer DJs umher, die Dub, Dubstep, Drum and Bass oder Downbeats auflegen. Diese Dubs fallen vielen auf, weil sie eine markante emotionale Dichte neben dem amtlich tiefen Basswums haben, der ungewöhnlich, fragil und irgendwie stolz, stark wirkt. Genauer hingeschaut, sind das dann meist unveröffentlichte Stücke von Künstlern aus der Dortmunder Nordstadt. Future Sound Of Nordstadt?

Dash ist selber nicht nur Kind der Nordstadt, sondern lebt und wirkt auch dort, pusht gerne custom made Dubplates der Crew aus dem verfemten Stadtteil. In einem Interview spricht er für At The Controls mit aniYo kore, Noclu und Dubgun und will es genau wissen – Großer Aufbruch straight outta Nordmarkt oder was ist da los?

aniYo kore: Die Nordstadt ist so voll mit guten Musikern, so vieler Genres: Schlakks, Opek, Razzmatazz, Sisterkingkong, Call Me Mary, Daily Thompson, The Day, Funkwelle, Brookland(?), EEPH…hier wird doper Techno, House, Punk und classic sample based HipHop ohne Ende produziert. Die Zusammenarbeiten die hier unter DTMD NRD in die Öffentlichkeit wellen sind nur ein kleiner Teil der Dortmunder Nordstadt. Würden wir uns alle gegenseitig so supporten wie Künstler in z.B Bristol(UK) das tun, wüsste man auch in Bristol, was in Dortmund geht; da sind wir uns sicher. Die Vielseitigkeit und Qualität, die hier im Schatten bereits auf Festplatten liegt, ist enorm.

DTMD NRD geht als Schreibweise und Signifikant auch umher. Ist das für euch ein neues Label, eine Art Programmatik für 2017?

aniYo kore: Es ist interessant, wieviel Kraft so ungeplante Dinge entwickeln können. Als der “More” Remix von Dubgun fertig war, reflektierte er den Vibe so weit über unser
Labor hinaus. 100 bpm auf Halbtakt, Slo-mo, ein sauberer, aber fieser Bass und HiHats,
die wir nur dreist nennen können… Münsterstrasse, offenes Fenster und Melody [Sängerin von aniYo kore] singt: “…and i really don t care.”. Es wirkte unglaublich befreiend. DTMD NRD als Zeichen unter unseren Posts war erstmal nicht weiter gedacht, war eher ein Ausdruck von Vibe, den wir hier im Labor haben. Der Vibe hat sich dann aber nicht nur gehalten, sondern ist richtig ausgeufert. Der “4:32am”-Beat von uns als Antwort auf den “More”-Remix hat den Vibe noch gefestigt. Seitdem hat sich Schlakks [Rapper, Produzent,Rekorder Club, Dortmund] bei uns gemeldet und wir machen ‘ne Split-7 inch zusammen, auf der wir auch den Beat für ihn produziert haben. Das ist dann auch wieder 100% DTMD NRD. Mal sehen wo das noch so hingeht, wir sind offen und haben Bock.

Wer droppt die Plates? Und wer gehört zur Produzenten-Posse?

aniYo kore: Glücklicherweise ist die Releasewelle, die jetzt auf euch zukommt, aus der Dortmunder Dubstep-Session “Wobblizm” entstanden. Nur wer da war, kennt die Liebe. Hier trafen 2009 alle Wege aufeinander, weit über Dortmund hinaus. Dubgun (Do), Taztical(Do), Bassrael [Bonn Better Know], Noclu [Sublime Audio](Münster), Easy Cozy (Do), Nazca [Empty Head Rich Heart] (Berlin), das ist der Produzentenkern, der uns beständig mit eigenständigem Material begeistert und mit dem wir arbeiten dürfen. Auch wir produzieren Drumsets, Beats und Scores für außenstehende Projekte.

Was verbindet Euch: die Nordstadt oder darüber was hinaus?
aniYo kore: Die Dortmunder sind über die Nordstadt verbunden. Auch im Gesellschaftlichen. Rekorder, Subrosa, Sisskingkong. Nicht nur die Nordstadtkünstler kommen hierhin für die freshesten Shows oder Dj-Sets. Wir als aniYo kore haben unsere Verbindungen noch weiter. Zu Toni Kater nach Berlin oder Baze.djunkii nach Hamburg. Uns alle verbindet die Liebe zum Sound und die Suche nach Neuem.

aniYo kore, ihr arbeitet gerade an einem neuen Album, das ganz anders werden soll. Ihr macht eigene Drumsounds, studiert und probiert Old School-Synthies, macht alle Sounds aus einem Sinus-Ton selber – und das Ganze dann noch in 432 Hertz. Warum der ganze Aufwand?

aniYo kore: Alles begann mit der Umstellung von 440hz auf 432hz. Wenige Musiker hinterfragen die generelle Tonstimmung von 440hz, obwohl die schon zu Zeiten Mozarts nicht eindeutig festgelegt wurde. Mussten wir auch erstmal herausfinden.
Seitdem kam eins zum andern. Das meiste Samplematerial ist in 440hz. Das irgendwie
mit nem Plug in 432hz zu pitchen klang nicht nach Spaß und schon war’s vorbei mit Sampeln. Wir produzieren seit ein paar jahren unsere Drums selber, spielen die Gitarren und Synths. Die Lizensierbarkeit unserer Songs dann durch einen kurzen, stimmugsmachenden Filmsample so drastisch zu erschweren wirkt kontraproduktiv. Worauf hin wir uns gefragt haben, wie tief wir in Wirklichkeit unseren Sound kontrollieren und wie besonders der ist. Die Synth kommen alle bestückt mit Presets. E-Piano, Orgel, Techsounds und mehr. Wieviel Produzenten auf der Welt benutzen demnach auch das Mikrokorg, das wir haben? Und daselbe 808 Samplepack? Wir sehen da eine Möglichkeit, unserer Musik mehr Individualität zu geben, indem wir uns auch von den Presets entfernen. Jeder Song bekommt seine Drumsounds. Das sind dann alles Unikate, nur für diesen Song, und schon tonal passend gestimmt auf die dazu extra geschriebenen Synthsounds. Jeder Sound wird nur einmal in seinem Song verwendet. Mikrokorg Shift-3.
Mehr Aufwand = Mehr Liebe = Mehr Vibe

Und ihr singt jetzt auch mehr zweistimmig, mehr Gitarre ist zu hören. Ein akkustisches Set gibt es auch. Wird euch Dub/TripHop/Dubstep als Genres zu eng oder geht es mehr um Dub als ein Gefühl?

aniYo kore: Wir wollen unsere Wirkung auf der Bühne intensivieren. Eine Gitarre vom Laptop, wo ab und zu ein Delay draufgelegt wird, ist cool, aber noch cooler ist das live gespielt aus einem Amp mit einem analogen Eimerkettenecho. Genau so mit dem Bass. 1 Stimme gerne, aber 2 Stimmen in Harmonie sind tausendmal doper. Ergo: Melody nimmt die Gitarre mit auf die Bühne und Rene lernt Bass spielen und singen. Wir sind den Laptop los und bestücken gerade eine MPC2500 mit 100% original Sounds. Auch unsere alten Songs(über 50stck.) werden für diese Liveshow neu in 432hz gekleidet. Bis dahin spielen wir die Acoustic Shows, um unserem Publikum eine Brücke hin zur neuen Show und dem kommenden Album zu geben.
Die Resonanz auf diese Stripped-down Versions von unseren Songs war überraschend.
Ein Acoustic Album von uns ist derzeit “public demand”, den wir diesesJjahr aucherfüllen werden. Downtempo/TripHop/Dubstep, diese Wurzel wird sich in vielen Facetten zeigen und wahrscheinlich nie verschwinden.

Für die Headz, die es mehr bassiger mögen, gibt es auch aktuell sehr smarte Remixe eures klassischen Materials vom DJ und Produzenten Noclu. Wie kam die Zusammenarbeit zustande und was kommt vielleicht noch mehr aus dieser Kollabo?

aniYo kore: Der”What You Say”-Remix von Bassrael wurde damals zuerst veröffentlicht.
Das war früh 2011. Den hat Noclu gehört und wollte gerne seinen eigenen bauen.
Als wir seine Version gehört haben, war es vorbei. Unser zweites Album war bereits
fertig, also haben wir ihm einfach vom dritten Album jeden neu fertigen Vocal direkt
geschickt. Ohne ihm den Song zu zeigen. Nach dem dritten Song haben wir ihm nichtmal mehr die BPM-Zahl genannt. Er hat das Album so auseinander genommen. Als unser Album fertig war, war er auch fertig. Das war Ende 2012. Wir sind froh, dieses Werk veröffentlicht zu sehen. Hoffentlich kommt da noch mehr. Jedes Stück von Noclu ist eine Erweiterung seines Handwerks und jedes Mal sind wir verwundert, wieviel Emotionen er in seinen Stücken leben lässt.

Noclu, eine neue, eigene LP ist auch am Start. Was hat sich getan seit dem letzten Groß-Release?

Noclu: Das Soundsoundsystem(SublimeSoundSystem) wird gerade aufgewertet. Ich bau an neuen Tunes in Richtung Dubstep, auch Deepes gerade. Unser Label [Sublime Audio] rückt mit dem Release auch mehr in den Vordergrund. Erstmal schauen, wie das läuft. Wir wollen da gerne noch mehr machen. Konkret sind Releases von Dubgun im Gespräch.

Dubgun ist der aktivste DJ aus der Posse. Kann man das so sagen und was droppst du am liebsten aus den verschiedenen Bassmusik-Spielarten oder wie setzt du Kombinationen?

Dubgun: Die Wurzel ist in jedem Fall Dubstep. In der Kiste sind aber die verschiedensten Sachen, hauptsache der Beat stimmt. Kombinieren kann man das immer, wie, das ist eher abhängig von der jeweiligen Stimmung im Raum.

Als Produzent bist auch am Start. Was sind da deine Zukunftspläne, worauf dürfen sich die Fans freuen?

Dubgun: Durch das Sublime Audio-Label eröffnen sich da gerade Möglichkeiten. Ich hab eine fertige LP aus 2009 im Schrank mit Pre-Dubstep/Experimental Elektronica- Sound. Mikokorg, Novation Bassstation, MPC2000xl. Und 2 EPs sind gerade in der Fertigstellung. Jeweils drei Tunes, deepe Dubstepper, der andere eher mit Dubstep im erweiterten Sinn , darunter auch der “More” Remix von aniYo kore.

Wie sehr prägt das Umfeld euch und eure Musik oder würden die Tunes genauso klingen, wenn die Community im argentinischen Backyard oder was weiß ich wo abhängen würde?

aniYo kore: Wir sind auch durch unser Umfeld geprägt. Geboren in Dortmund. Wir feiern das. Wäre ja auch todeslangweilig, wenn Musik in Afrika genau so klingt. Bless, dass wir Alle verschieden sind. Der Dortmunder Einfluß ist zum Glück multikulturell. Sonst wüssten wir bis heute nichts von Portishead, Max Roach oder Björk.
Noclu: Vieles ist bei mir durch das Umfeld geprägt. Ich würde sagen so 80 %. Der Rest der Inspiration ist frei…
Dubgun: Unsere Musik würde nicht so urban klingen, wenn wir in den Anden geboren wären. Dortmund ist auf jeden Fall ein ganz großer Teil der Sache.

Respekt und vielen Dank an die DTMD NRD massive für das Interview.

LINK UP:

aniYo kore : aniyokore.com
Noclu : soundcloud.com/noclu
Dubgun : soundcloud.com/dubgun
Schlakks : soundcloud.com/schlakks
Taztical : soundcloud.com/taztical
Bassrael : soundcloud.com/bassrael
Nazca : soundcloud.com/nazcatunes

About Dash

Dash ist seit zwanzig Jahren als DJ in der hiesigen Clubkultur unterwegs und erfolgreich. Als Journalist, Redakteur, Pressesprecher, Radiomoderator und Autor tummelt sich Steffen Korthals / Dash im urbanen Leben und in kulturellen, gesellschaftlichen und künstlerischen Diskursen der Zeit.

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