Ein Meer von Licht und Farben – das Urban Lights Ruhr Festival

Posted by | October 10, 2015 | Art, Stadt | No Comments
Sans Facon_Binary Waves_02 (c) Roman Mensing_Urbane Künste Ruhr 2015

Nicht nur für Kunstfreunde lohnt sich noch bis zum Sonntag, 25. Oktober, ein Ausflug nach Hagen zu den „Urban Lights Ruhr“. International renommierte Künstler verwandeln in 15 Lichtinstallationen die Hagener Innenstadt in einen Lichtparcours und eine frei begehbare Medienkunstausstellung. Das Festival mit Zentrum im Bunker an der Bergstraße 98 eröffnet am Freitag, 9. Oktober, mit einer anschließenden Führung durch die Kuratoren und einer Party des Shiny Toys-Kollektivs. Am Samstag, 10. Oktober, gab es außerdem einen Vortrag von Mark Shepard in der Douglas-Lounge des Osthaus-Museums, Museumsplatz 3.

Die Künstler

Das Lichtkunst-Festival wird kuratiert von Katja Aßmann, Sans façon (Tristan Surtees und Charles Blanc) und Susa Pop (Connecting Cities Network). Künstlerische Positionen beziehen Anna Rispoli, Simon Faithfull, A Kassen, Janice Kerbel, Tatzu Nishi, Sans façon (Tristan Surtees und Charles Blanc), Shiny Toys (Jan Ehlen) sowie – im Rahmen des des Connecting Cities Network (CCN) – Ricardo O’Nascimento, Ghana ThinkTank (A. Krach, C. Robbins, J. Erwing, M. del Carmen Montoya), Mark Shepard (mit: Julian Oliver, Moritz Stefaner), Blake Shaw (mit Bruno Levy) und Andrea Polli.

Sans Facon_Limelight_01 (c) Roman Mensing_Urbane Künste Ruhr 2015

Sans Facon_Limelight_01 (c) Roman Mensing_Urbane Künste Ruhr 2015

Playground Hagen

Hagens industriell geprägte Vergangenheit zeigt sich in einer komplexen Stadtstruktur. Das heutige Stadtbild ver-mittelt eine vielschichtige Gemengelage aus historischer Bebauung, Industriearchitektur, Nachkriegsplanung und den Auswirkungen der Standortverlagerung großer Firmen. Aktuelle Veränderungen, mit neuen Verkehrsabläufen um dem Hauptbahnhof und der Wiederbelebung zweier Flussufer, prägen die Neugestaltung des Hagener urbanen Raums. „Urban Lights Ruhr“ schafft Wahrnehmung für abseitige Räume und solche, die einem fortwährenden Veränderungsprozess unterliegen. Und es möchte neue Perspektiven auf das Vertraute bieten. Die künstlerischen Interventionen laden Bewohner und Besucher ein, das Potential neu entstehender Stadtlandschaften zu erleben und zu aktivieren. Einen Eindruck davon, wie das gelingen kann, vermitteln aktuelle im Vorfeld von „Urban Lights Ruhr“ erfolgreich gestarteten Kunstprojekte von Ghana ThinkTank („Developing The First World – Lösungsvorschläge zu Hagener Problemen von der Dritten Welt“) und Anna Rispoli („Genius Loci“).

Das gibt es zu sehen

 

„Balkon“

Der japanische Künstler Taturo Atzu (aka Tatzu Nishi) ist unter anderem bekannt für seine dramatischen Inszenierungen, bei denen er etwa Kirchturmspitzen, Brunnen und Monumente begehbar umbaut, und so auf neue Weise erlebbar macht. In Hagen rückt er die Kugellampen eines Sternstrahlers aus den 1960er Jahren in den Fokus, in-dem er das Publikum über einen Gerüstturm nach oben heranführt und ihm so die funktionale, oft übersehene Ästhetik nahebringt. (Fr – So 16.00 bis 23.00 Uhr | Bergischer Ring 57)

„Developing The First World“

Lösungsvorschläge zu Hagener Problemen von der Dritten Welt Künstlergruppe: Ghana ThinkTank
Bereits im Juli hatten Hagener Bürger die Gelegenheit, ihre Probleme in oder mit Hagen zu formulieren und über Postkarten der Künstlergruppe mitzuteilen. Entsprechende Lösungsvorschläge verschiedener von den Künstlern angefragter Think Tanks respektive Denkfabriken in der Dritten Welt werden während „Urban Lights Ruhr“ präsentiert und so an die Bevölkerung zurückgegeben. Ein Connecting-Cities-Projekt. (9. bis 11. Oktober | jeweils 16.00 bis 23.00 Uhr |Museumsplatz 1, Osthaus Museum)

„False Positive: On The Null Hypothesis“

Projektvorstellung_Urban Lights Ruhr_02 (c) Edi Szekely_Urbane Künste Ruhr 2015

Projektvorstellung_Urban Lights Ruhr_02 (c) Edi Szekely_Urbane Künste Ruhr 2015

Über die Funktionsweise mobiler Informationsströme | Künstler: Mark Shepard
Wieviel wir in der täglichen Kommunikation mit Smartphones über uns Preis geben und welche Datenflut in unserem Alltag produziert wird, machen Mark Shepard, Moritz Stephaner und Julian Oliver mit ihrem Projekt „False Positive“ deutlich. Über einen Sender im Festivalzentrum schicken sie Nachrichten auf die Mobiltelefone der Besucher. Dort werden sie über die tägliche, jeweils selbst produzierte Datenflut, die Risiken und über individuelle Möglichkeiten zum Schutz der eigenen Daten aufgeklärt. Ein Connecting-Cities-Projekt. (9. bis 11. Oktober |jeweils 16.00 bis 21.00 Uhr | Festivalzentrum)

„Full Moon Hagen“

An den Mondzyklus angepasste Straßenbeleuchtung | Künstlerin: Janice Kerbel
In der Arbeit „Full Moon Hagen“ wird die Straßenbeleuchtung am Johanniskirchplatz und auf dem Marktplatz je nach Mondphase gedimmt. Bei Vollmond etwa wird der technisch niedrigste Dimmgrad erreicht, bei Neumond hingegen mehr als Normalbeleuchtung – und dazwischen die entsprechenden Zwischenstufen. (täglich nach Einsetzen der Dämmerung | Johanniskirchplatz und Marktplatz)

„Genius Loci“ / „Der Geist des Ortes“

Partizipative Installation mit Lampen von Anwohnern |Künstlerin: Anna Rispoli
Mit der Spende einer Lampe aus ihrem privaten Fundus unterstützen die Bewohnerinnen und Bewohner des Stadtteils Wehringhausens und Hagens das Projekt „Genius Loci“ und helfen, die Fußgängerunterführung am Bodelschwinghplatz während des Festivalzeitraums in ein neues Licht zu rücken. (ganztägig | Fußgängerunterführung Bodelschwinghplatz)

„Hagen Obscura” / „Camera What!“

Begehbare Camera Obscuras |Umsetzung: Studenten der FH Dortmund
Unter der Leitung von Prof. Oliver Langbein (FH Dortmund) wird eine Gruppe Studierender des Fachbereichs Szenografie drei stationäre und eine mobile Camera Obscuras herstellen, die jeweils begehbar sind und von den Besuchern unter Anleitung benutzt werden können. Eine weitere, kleinere Camera Obscura, wird ebenfalls mobil im Stadtraum eingesetzt. Im Festivalzentrum werden dabei entstehende Arbeiten präsentiert. (Fr-So 16.00 bis 23.00 Uhr |Am Festivalzentrum, Friedrich-Ebert-Platz, Theaterplatz, Grashofstraße und andere Orte)

„Pantone Perfect“

Stündliche Beflaggung der aktuellen Himmelsfarbe | Künstler: Sans façon (Charles Blanc und Tristan Surtees)
Das Kunstwerk „Pantone Perfect“ visualisiert die changierende Farbe des Himmels während eines Tages an einer Reihe von zehn Fahnenmasten. Mit einem Farbmessgerät wird stündlich die aktuelle Himmelsfarbe gemessen. Eine Flagge aus einer Palette von 52 verschiedenen Blautönen wird analog zur Messung ausgewählt und an einem von zehn Fahnenmasten am Vorplatz des Hagener Hauptbahnhofs gehisst. Am Ende des Tages stehen zehn Flaggen nebeneinander, welche den Verlauf der Himmelsfarben des Tages nachzeichnen. Die Arbeit war in anderer Form bei „Urban Lights Ruhr“ in Hamm zu sehen. (Fr-So 9.00 bis 18.00 Uhr | Berliner Platz, Vorplatz Hauptbahnhof)

„Particle Falls“

Visualisierung der Feinstaubbelastung vor Ort |Künstlerin: Andrea Polli
Mithilfe eines Feinstaub-Messgerätes (ein sogenannter Nephelometer) wird die aktuelle Feinstaubbelastung der Luft in Hagen gemessen. Die Partikel werden mithilfe einer Software in eine wasserfallartige Video-Projektion integriert. Ein Connecting-Cities-Projekt. (Fr-So 16.00 bis 23.00 Uhr | Sternstraße 13)

Sans Facon_Binary Waves_01 (c) Roman Mensing_Urbane Künste Ruhr 2015

Sans Facon_Binary Waves_01 (c) Roman Mensing_Urbane Künste Ruhr 2015

<h2 Experimentelle Lichtkunst mit Perfomances, Installationen und Projektionen
Kuratiert von Jan Ehlen werden im und am Bunker Performances, Projektionen, kleine Konzerte und experimentel-le Lichtinstallationen präsentiert. Shiny Toys wird täglich wechselnde Künstler aus ihrem Netzwerk einladen, ihre Arbeit dem Hagener Publikum vorzustellen. (Fr-So 20.00 bis 23.00 Uhr | Festivalzentrum)

„Shy Dance-Floor“

Interaktive Installation in einer Fußgängerunterführung | Künstler: Simon Faithfull
Der Boden einer Unterführung wird mit einem an die 1970er Jahre erinnernden Disko-Dancefloor ausgestattet. Die Installation „Shy Dance-Floor“ reagiert interaktiv mit dem Besucher: Nähert man sich dem Tanzboden, gehen die Lichter aus. Entfernt sich der Besucher wieder, erwachen die Lichter wieder zum Leben. (ganztägig | Unterführung Funke-/Neumarktstraße)

„Silent Fairground“

Karussells ohne Beleuchtung und ohne Musik | Künstler: Sans façon (Charles Blanc und Tristan Surtees)
Ein Rummelplatz ohne blickende Lichter, Musik und Durchsagen. Mit der poetischen Arbeit „Silent Fairground“ schaffen Sans Façon eine ungewöhnliche Erfahrung und rücken mit der Abwesenheit von Licht und schrillen Tönen die Übernutzung von Licht und Akustik in den Blickpunkt. (Fr-So 16.00 bis 23.00 Uhr | Weidestraße)

„Sunset Sunrise“

Anzeiger der Sonnenauf- und untergänge rund um die Welt | Künstler: Sans façon (Charles Blanc und Tristan Surtees). Die Arbeit präsentiert auf zwei Faltblattanzeigen die Sonnenuntergänge / Sonnenaufgänge in verschiedenen Großstädten der Welt in Echtzeit. Die Arbeit war in einer anderen Form bei “Urban Lights Ruhr” in Hamm zu sehen. (ganztägig | Berliner Platz, Vorplatz Hauptbahnhof)

„Untitled“

Graffiti mit Neonröhren nachgezeichnet |Künstler: A Kassen
Einige der temporären und informellen Graffitis im Stadtbereich werden bei „Untitled“ durch Neonröhren nachge-zeichnet und so aus ihrem alltäglichen Kontext gehoben. Die individuell geprägten Ausdrucksformen werden in ihrer Funktion als Sprachrohr und Kennzeichnung verschiedenster Subkulturen kenntlich gemacht. (Fr-So ganztägig Unterführung Neumarkt-/Gerberstraße)

„Video Painting“

Videoportraits werden per Projektion an die Wand „gemalt“ |Künstler: Bruno Levy und Blake Shaw
Mithilfe einer spielerischen Projektionstechnik werden gesammelte Fotos aus Hagen und des Connecting Cities Network Stadt Jena (Licht- und Wissenschaftsfestival City Visions Jena) abwechselnd mit einer Walze auf Häuser-fassaden im Stadtraum „gemalt“. (9. bis 11. Oktober | jeweils 18.00 bis 23.00 Uhr |Wechselnd zwischen Festival-zentrum und Wilhelmplatz )

„Wearable Facade”

Sensorkleidung zeigt Hagens Farbwelt | Künstler: Ricardo O‘Nascimento
Ein speziell entworfenes Kleidungsstück nimmt über Sensoren die Farben der Umgebung auf und überträgt diese auf die mit LEDs ausgestattete Oberfläche der Jacke. Der Künstler wird mit der Jacke durch die Hagener Straßen laufen und die Farben der Stadt einfangen. Die Farben und Formen werden zeitgleich auf eine Fassade am Bunker projiziert. Ein Connecting-Cities-Projekt. (16. bis 18. Oktober |jeweils 18.00 bis 20.00 Uhr | Festivalzentrum)

Hintergrund des Projekts

Im “Unesco-Jahr des Lichts” wird die Ruhrstadt neben Metropolen wie Berlin, Brüssel, Helsinki, Liverpool und Madrid Austragungsort des internationalen Netzwerkes Connecting Cities. Unter dem Titel In/Visible City 2015 produziert und zeigt Urbane Künste Ruhr Medien- und Lichtkunstprojekte, die sich mit der Sichtbarmachung des Nicht- Sichtbaren im städtischen Raum befassen.
“Urbane Künste Ruhr” ist die junge Kunstorganisation der Kulturmetropole Ruhr. Unter der künstlerischen Leitung von Katja Aßmann macht Urbane Künste Ruhr Kunst, die den Stadtraum verändert und Menschen mit neuen Möglichkeiten der Nutzung und Betrachtung von sichtbaren und verborgenen Orten des urbanen Lebens konfrontiert. Der Kontext Stadt bietet der Kunst neue Wege, sich einzumischen und gesellschaftliche und ästhetische Veränderungen anzustoßen. Urbane Künste Ruhr ist ne-ben Ruhrtriennale, Tanzlandschaft Ruhr und ChorWerk Ruhr ein Teil der Kultur Ruhr GmbH in Trägerschaft des Landes Nord-rhein-Westfalen und des Regionalverbandes Ruhr mit Sitz in Gelsenkirchen.

Besondere Termine

9. Oktober 2015
ab 18.00 Uhr Eröffnung von „Urban Lights Ruhr“ im Festivalzentrum im Bunker an der Bergstra-ße 98 | Anschließend starten um 19.00 Uhr zwei Kuratorenführungen | Ab 21.00 Uhr: Party mit „Shiny Toys“, dem interdisziplinären Netzwerk für audiovisuelle Ex-perimente |Eintritt zu allen Veranstaltungen frei

10. Oktober 2015
16.00 Uhr bis 17.30 Uhr Vortrag und Gespräch mit Mark Shepard zu „False Positive: On The Null Hypothesis“ | Douglas Lounge im Osthaus-Museum

23. Oktober 2015
ab 17.00 Uhr Finissage von „Urban Lights Ruhr“ | Festivalzentrum im Bunker an der Bergstraße 98 | Anschließend Abschlussfeier

jeden Freitag & Samstag
18.00 bis 20.00 Uhr Führung durch den Lichtparcours | Start- und Endpunkt am Festivalzentrum | Eintritt 5 Euro

jeden Freitag & Samstag
19.00 bis 20.00 Uhr kostenlose Kurzführung durch den Lichtparcours | Start- und Endpunkt am Festival-zentrum |Anmeldung: info@urbanekuensteruhr.de

About Dash

Dash ist seit zwanzig Jahren als DJ in der hiesigen Clubkultur unterwegs und erfolgreich. Als Journalist, Redakteur, Pressesprecher, Radiomoderator und Autor tummelt sich Steffen Korthals / Dash im urbanen Leben und in kulturellen, gesellschaftlichen und künstlerischen Diskursen der Zeit.

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