It’s a Ruhr ding

Posted by | April 28, 2019 | Art, Event, Kultur, Sound, Stadt | No Comments
Bilder_atc_atikel_Dash_vor plakat_ruhr ding_2019


Freshe Kunst bei freiem Eintritt an ungewöhnlichen Orten mit dem Klang des Ruhrpotts in Clubs und unter Tage – die Ausstellung „Ruhr Ding: Territorien“ von Urbane Künste Ruhr taucht ab und hört genau zu.

Sound, Club und der post-industrielle Ruhrpott von den 80ern bis heute sind einige der vielen spannenden Themen des neuen Festivals von Urban Künste Ruhr. Mit dabei: Dash (Subport, Juicy Beats Festival, Soul In Motion x Rotunde, Vinyl Asyl, At The Controls) und Ralf Odermann (ehemals At The Controls, ehemals Logo und Planet), die im Vinyl und in Hintergründen für das neue Werk von Louis Henderson und João Polido im Rahmen von „Ruhr Ding: Territorien“ tief diggen.Bilder_atc_artikel_Dash im Interview_nordstadt cover_ruhr dingjpg

Ruhr Ding: Territorien
Vom 4. Mai bis 30. Juni 2019 werden im Rahmen des „Ruhr Ding: Territorien“ künstlerische Arbeiten in den Städten Bochum, Dortmund, Essen und Oberhausen gezeigt. Insgesamt gibt es 22 Produktionen in den vier Städten zum Thema Identität und Territorien, hier speziell bezogen auf das Ruhrgebiet. Initiatorin des Ausstellungsformats ist Britta Peters, seit dem 1. Januar 2018 Künstlerische Leitung von Urbane Künste Ruhr, einer Institution für Gegenwartskunst im Ruhrgebiet, die das Festival mit neuproduzierter Kunst im öffentlichen Raum mit Unterstützung des Regionverbands Ruhr verwirklicht.Ruhr Ding_Territorien_von_Urbane Künste Ruhr_Flyer_2019

Louis Henderson und João Polido: „Composition” (2019)
Louis Henderson und João Polido sind mit ihrer Soundinstallation “Composition” auf dem Gelände von MARK 51,7°, dem ehemaligen OPEL- Gelände, vertreten. Darüber hinaus folgen online und im Radio Aufnahmen unter anderem von Platten und Gesprächen über Sounds, Club und Identität im post-industriellen Ruhrpott von den 80ern bis heute. Dafür recherchieren die beiden Künstler vor Ort, inwieweit regionale Musikgeschichte durch die Industrialisierung geprägt wurde.

Bei “Composition” sieht man/frau nur wenige hundert Meter entfernt vom Standort der Soundinstallation dem Abriss des ehemaligen Presswerks der Bochumer Opelwerke zu. Mitte des 20. Jahrhunderts hatte die Adam Opel GmbH das stillgelegte Zechengelände Dannenbaum I erworben, bis 2014 waren hier bis zu 11.600 Arbeiter*innen angestellt. Auf dem Grundstück nebenan eröffnet aktuell ein hochmodernes DHL-Paketzentrum. In wenigen Monaten werden hier 600 Angestellte in drei Schichten bis zu 50.000 Pakete pro Stunde sortieren.

Dortmunder U_Autofabrik_Design_Ruhrgebiet Musik_90er_2000er_02

Umwandlungsprozesse wie diese finden seit Jahrzehnten in weiten Teilen Europas und der Welt statt: Das post-industrielle Zeitalter prägt Landschaft und Gesellschaft gleichermaßen. Louis Henderson und João Polido recherchierten in der Region nach dem musikalischen Echo, das mit den Veränderungen einhergeht. Entstanden ist ein musikalisches Essay, welches Musik als Form des konkreten Widerstandes zum industriellen Kapitalismus in Raum und Zeit beschreibt. Die Künstler arbeiten unter anderem mit Samples, die als Reaktion auf entfremdete Arbeitsbedingungen entstanden sind. Sie bringen diese via Playback in die leerstehenden Fabrikhallen des Opelgeländes zurück und zeichnen ihre akustischen Echos auf. In der Komposition lassen sich auch Fragmente aus Jazz und Blues ausmachen, musikalische Traditionen also, die auf die Erfahrung von Ausbeutung und Unterdrückung der afrikanischen Sklaven zurückgehen. Elemente aus House und Techno hingegen beschreiben die körperliche Befreiung von den räumlichen und zeitlichen Beschränkungen der fordistischen Schichtarbeit.

Louis Henderson_Joao Polido_Composition_2019_Bochum

Begleitend zu der begehbaren Installation veröffentlichen die Künstler vier Radioessays, welche die Recherche nach dem Zusammenhang von industrieller Arbeit und Musik narrativ aufgreifen. In Interviews mit regionalen und internationalen Musiker*innen spüren sie dem Einfluss von Industrialisierung und Migration auf die Musikproduktion nach.

Denise Ritter + Uta Schmidt + Dash + Ralf Odermann
Im Rahmen ihres Beitrags zur Ausstellung “Ruhr Ding: Territorien” sprechen sie unter anderem mit dem Dortmunder DJ, Autor, Kurator, Kulturschaffenden und Musikexperten Dash (Steffen Korthals) über den Klang regionaler und subkultureller Clubmusik mit Schwerpunkt von den neunziger Jahren bis heute. Der renommierte DJ eröffnet anhand von Platten, Anekdoten und Hintergründen, wie Identität, Musik, das Ruhrgebiet und Dortmund, positive und negative Utopien, der Club als Heterotopie in Bezug in einer (post) industriellen Gesellschaft zusammenhängen könnten. Außerdem sprechen Henderson und Polido mit Ralf Odermann über die ehemaligen Bochumer Clubs Logo und Planet, und damit über die Anfänge von Techno und House im Ruhrgebiet, sowie mit Klangkünstlerin und Komponistin Denise Ritter an ehemaligen und klangvollen Untergrundorten der Ruhrpott-Zechen und mit der Filmeditorin Uta Schmidt über Schnittstellen von Raum, Wissen, Geschlecht, Bergbau und Sound im Ruhrgebiet.Bilder_atc_artikel_Dash im Interview_explaining 2_ruhr dingjpg

Henderson & Polido
Den Fokus der künstlerischen Arbeit von Louis Henderson bildet die Befragung des Kapitalismus. Ausgehend von Archivmaterialien (Sound, Text und Bild) entwickelt er innerhalb längerer Recherchephasen vor Ort filmische und auditive Erzählungen und Installationen. Zusammen mit João Polido recherchiert er vor Ort zu der Frage, inwieweit die regionale Musikgeschichte durch die Industrialisierung geprägt ist und setzt das Material in den Kontext weiterer ehemaliger Industrieregionen. Louis Henderson [geb. 1983] lebt in Berlin und Paris. João Polido [geb. 1994] lebt in Berlin.
Bilder_atc_atikel_Louis Henderson_vortrag (c) Holtgreve - Urbane Künste Ruhr

https://www.urbanekuensteruhr.de/de#/detail/projekt/composition

Composition
4.5. – 30.6.2019
Ehem. Opel-Gelände, Gebäude D2, Opelring, 44803 Bochum
Di, Mi, So: 11-18 Uhr; Do, Fr, Sa: 11-20 Uhr
Eintritt frei

Weitere Info
Alle künstlerischen Arbeiten und Installationen sind kostenfrei zu bestimmten Öffnungszeiten zugänglich. Die geführten Touren kosten fünf Euro pro Person und setzen eine vorherige Anmeldung voraus. Das Magazin mit einer Vorschau auf das „Ruhr Ding: Territorien“ ist bereits kostenfrei über die Website www.urbanekuensteruhr.de erhältlich, und zur Eröffnung am 4. Mai gibt es auch einen Kunstführer mit Kartenmaterial und Handbuch zu den Ausstellungen.

RUHR DING: TERRITORIEN
4. MAI BIS 30. JUNI
FREIER EINTRITT
BOCHUM, DORTMUND, ESSEN UND OBERHAUSEN

Ruhr Ding: Territorien:
https://www.urbanekuensteruhr.de/de#/detail/ruhr-ding/ruhr-ding-territorien

Louis Henderson:

https://vimeo.com/320721805

Dash:
www.facebook.com/dash.dortmund

Öffnungszeiten:
https://www.urbanekuensteruhr.de/de#/detail/projekt/oeffnungszeiten

About Dash

Dash ist seit zwanzig Jahren als DJ in der hiesigen Clubkultur unterwegs und erfolgreich. Als Journalist, Redakteur, Pressesprecher, Radiomoderator und Autor tummelt sich Steffen Korthals / Dash im urbanen Leben und in kulturellen, gesellschaftlichen und künstlerischen Diskursen der Zeit.