Rad statt Rille

Posted by | April 4, 2016 | Art, Digital, Kultur, Sound, Uncategorized | No Comments
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Renaissance der Kassettenkultur

Als 2010 die ersten Reinigungskassetten im Sortiment des Plattendealers meines Vertrauens wieder auftauchten, war ich verblüfft. Als befreundente Produzenten aus Electronica, deepem Dubstep und HipHop, wie SOMRVH, People In The Audience und Minimal-Orchestra, ihre Alben im Tape-Format veröffentlichten, wurde mir klar, dass es sich offensichtlich nicht um ein Einzelphänomen handelt. Die Kassette war und ist wieder da. Zugleich gibt es Internetseiten, welche Tapes digitalisieren – zum Beispiel alte UK Hardcore- und Jungle-Kassetten (siehe http://artmeetsscience.co.uk/tapes/). 2012 landete Ronny Trettmann auf den deutschen Reggae-Dances einen Hit mit “1984” und der Hookline “Spul die Kassette zurück mit dem Filzstift” https://www.youtube.com/watch?v=Xd4QjjzRkno). Im Zuge der Retromania tauchten ab 2013 in den sozialen Netzwerken häufiger Bilder auf von Musikkassetten und Sprüchen, wie “Wer kennt das noch?”. Die Marvel-Comic-Filmadaption “Guardians Of Galaxy” brachte den Walkman und das Mixtape 2014 auf die Kinoleinwand. Immer mehr Labels tummeln sich heute in der Underground-Musiklandschaft, die sich rein auf Tape-Release spezialisiert haben. Das wirkt nicht nur auf viele Menschen verwunderlich, die mp3s gewöhnt sind und nicht in den Achtzigern groß geworden sind, sondern auch auf alte Musikhasen.
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Dabei fußt die Renaissance der Cassette Culture auf eine lange Tradition in den amerikansichen HipHop-Mixtapes, die oft eine preiswerte Alternative auf der Straße waren, um an neue Tunes, DJ-Sets, Freestyles und unabhängige Releases zu kommen. Neben den halb-offiziellen Tape-Veröffentlichungen wurde viele Bänder mit Mitschnitten von Radiosendungen und mit Kopien von anderen Tonträgerformaten bespielt, dies natürlich auch in deutschen Breitengraden. In afrikanischen und asiatischen Ländern gehören Kassetten als kostengünstiges und weit verbreitetes Medium lange und permanent zum Alltag. Bei europäischen Hippstern genießt die “Awesome Tapes From Africa”-Internetseite mit angeschlossenem Label Kultstatus (http://www.awesometapes.com/).

Warum ist gerade jetzt die Kassette wieder am Start? Was sind das für Typen, welche das Old School-Medium anderen vorziehen? Dash fragt einen, der sich auskennen muss: Dennis “Smu” Klein, der sich im Musikbizz als MC, DJ und Radiomoderator einen Namen gemacht hat, und einer der Köpfe hinter dem umtriebigen Kassetten-Label TUMA ist.
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Dash: Wie hast Du die Entwicklung der heutigen Tape-Szene wahrgenommen?

Dennis “Smu” Klein: Die Renaissance der Tapes fing circa um 2010 an – wobei die Punk- und die HipHop-Szene eigentlich nie aufgehört haben auch Tapes zu veröffentlichen. Amerika und Japan z.B. haben sich nie komplett von Tape verabschiedet. Das liegt zum Einen an der noch hohen Zahl an Autoradios mit Tape und zum Anderen an bestimmten Musikrichtungen, in Japan z.B. traditionellere Musik. 2013 gab es dann einen Push, als sich ein paar Labels zusammengeschlossen haben und – analog zum “Recordstore Day” – den “Cassette Store Day” ins Leben gerufen haben. Sowas funktioniert als Hype-Maschine ja ganz gut. Ins breite Gedächtnis hat aber vermutlich “Guardians of the Galaxy” das Ganze gedrückt, da hier ein Walkman und Tape recht prominent eingesetzt wurden.

Dash: Wie groß ist die Szene und ist diese verortbar?

Dennis “Smu” Klein: Die Szene ist relativ überschaubar. Meist sind es kleine Labels. Ich vermute mal ein paar Hundert weltweit, die regelmäßig etwas auf Kassette veröffentlichen. Die Vereinigten Staaten sind zahlenmäßig weit vorn. Dort vor allem Kalifornien und Oregon. England ist auch traditionell gut dabei. Aber diese beiden sind immerhin auch die größten Musikmärkte überhaupt. Deutschland hat auch eine ganz gute Szene und es gibt sogar vereinzelte Labels in Chile oder Griechenland. Zu den Labels gesellen sich noch die unabhängigen Künstler, die ihre Sachen direkt über das Internet vertreiben.

Dash: Welche Musik wird hauptsächlich veröffentlicht?

Dennis “Smu” Klein: Punk und Indie, sowie Metal werden den größten Teil ausmachen. Danach kommt HipHop. Die Synthpop- / Darkwave- / Retro-80er-Szene ist ebenfalls sehr aktiv. Aber gerade auch Bereiche der experimentellen Musik nutzen oftmals Kassetten als Medium. In letzter Zeit ist die Szene der sogenannten “Internetmusik” auch stark auf Tape vertreten – also Genres wie Vaporwave, Future Funk, Corporate Music etc. Ursprünglich haben diese auf Files und CD-Rs gesetzt, aber Tapes sind dort anscheinend gerade en vogue. Die elektronische Musikszene hinkt da etwas hinterher – traditionell ist diese auch eher eine Vinyl-Domäne. Des Weiteren gibt es einiges an Funk auf Kassetten. Mittlerweile veröffentlichen sogar Mainstream-Künstler wieder auf Tape: Lana Del Rey, The Prodigy und angeblich soll sogar Justin Bieber seine Alben auf Tape veröffentlichen. Generell handelt es sich bei Tape-Musik um neu produzierte Musik, es gibt nur wenige Re-Releases. Die meisten Veröffentlichungen sind Sachen, die man/frau eher nicht im Saturn finden würde.

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Dash: Wie sind die Vertriebswege in der cassette culture?

Dennis “Smu” Klein: “Bandcamp” erweist sich derzeit als die Plattform der Wahl. Die meisten Labels und Künstler sind hier vertreten. Da man dort neben Files auch Merchandising (darunter fallen auch Tapes und Vinyl) anbieten kann, ist das gerade für die kleinen Labels eine gute Möglichkeit gefunden zu werden, ohne dabei einen Vertrieb einbeziehen zu müssen. Werbung kann die Tape-Szene in sozialen Netzwerken anbringen und verlinkt dabei gerne auf Bandcamp. Durch eigene Preisgestaltung und ein anderes Ausschüttungssystem können Künstler dort oft einen wesentlich faireren Deal herausholen als über andere Online-Vermarktungswege. Aber auch der klassische Vertrieb existiert noch. “HHV.de” und “Bigcartel” haben z.B. viele Tapes im Angebot. Selbst “Urban Outfitters” hat jetzt Tapes wieder ins Programm aufgenommen.

Dash: Ist der DIY-Aspekt und der Gestaltungsfaktor ein wesentliches Motiv für Kassetten-Veröffentlichungen?

Dennis “Smu” Klein: Das ist für die meisten Künstler und Labelbetreiber sicher der Hauptantrieb. Im Punk ist der DIY-Aspekt ja essentiell gewesen. Das hat sich durchgezogen bis heute. Viele der neuen Labels sind genervt von den existierenden Strukturen. Sie wollen nicht mehr angewiesen sein auf andere und möglichst viel selbst machen. Einige Label-Chefs haben selbst zuvor bei Indie-Labels gearbeitet. Als Macher/Macherin hast Du die volle Kontrolle über alle Phasen des künstlerischen und kommerziellen Prozesses, ohne dass Du Dich in Unkosten stürzen oder den Return of Invest anstreben musst. Das entspricht auch dem Zeitgeist: Die Maker-Szene boomt ja derzeit mit 3D-Druckern, Mini-Fräsen, Etsy-Shops etc. DIY ist angesagt im Moment, das gilt auch für die Musik. Viele wollen außerdem wieder ein physisches Medium – aus unterschiedlichen Gründen: Mehrwertgedanke, Gestaltungsmöglichkeit, Abheben von anderen – was auch immer. Kassetten und Equipment kosten nicht viel und man/frau kann mit etwas Know-How und Arbeit alles selbst machen und gestalten. Am Ende kann man/frau ein richtig schönes Produkt in der Hand halten. Vermutlich würde ein Teil eigentlich gern auf Vinyl veröffentlichen, scheut aber die hohen Kosten im Vorfeld. Kassetten sind da als Einstieg eine niedrigere Hürde. Ausserdem gibt es Raum, um ein paar witzige Dinge zu realisieren: So habe ich ein Tape, auf dessen Rückseite ein C64-Computerppiel für die Datasette gespeichert ist. Davon ab: Im HipHop waren Mixtapes traditionell ja immer ein Thema – kann sein, dass es dort auch ums Realkeeping ging respektive geht.

Dash: Gibt es auch eigene Stars, eigene Medien, Infrastrukturen, Events in der Tape-Szene?

Dennis “Smu” Klein: Das Magazin “Electronic Beats” berichtet hin und wieder über die Tape-Szene und es gibt ein paar Blogs, die sich thematisch mit Kassettenveröffentlichungen befassen, wie “Cassette Gods” oder “Guide me little Tape”. Printmedien gibt es aber nicht. Generell machen die meisten Labels einfach ihr Ding, einige sind untereinander vernetzt. Stars gibt es eher innerhalb bestimmter Genres. Die Vaporwave-Szene hat Stars wie Telepath, Hong Kong Express oder Saint Pepsi. 2814 (HKE & Telepath zusammen) haben es Ende vergangenen Jahres sogar als ‚To-watch’ in das renommierte “Rolling Stone” geschafft. In dem Bereich sind die Labels “Dream Catalogue”, “Business Casual” oder “Aloe City” beispielhaft zu nennen. Wenn man da ein Tape haben will, muss man als Kunde schnell sein. Die Auflagen sind klein und immer extrem schnell vergriffen. Im Bereich Techno/ Electro machen “Detroit Underground” bereits seit fast 20 Jahren ihr Ding – mit regelmäßigen Veröffentlichungen und extrem hoher Qualität. Aber auch in Deutschland gibt es ein paar bekannte: “Ana Ott” aus Mühlheim an der Ruhr oder “mmodem” aus Frankfurt am Main haben eine feste Anhängerschaft. Im Rockbereich sind “Burger” sehr gut dabei, aber auch z.B. “Sub Pop” aus Seattle, bei denen bereits Nirvana ihr Debut veröffentlichten.

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Dash: Was sind das für Typen/Girls, die Tapes sammeln?

Dennis “Smu” Klein: Es ist ähnlich wie bei Vinyl: Einige suchen bestimmte Kassetten von bestimmten Künstlern, manche Sammeln eher Genres und dann gibt es noch die Digger, die hinter den besonderen Sachen hinterher sind. Die extrem kleine Auflage weltweit und der Ideenreichtum mancher Leute kann einen da schon ganz schön anheizen. Durch den DIY-Aspekt ist das Ganze sogar manchmal noch etwas direkter als bei Vinyl. Es gibt einige Labels, die sich bemühen immer etwas Neues zu machen. Da fühlen sich die Tapes dann auch wirklich wie Sammlerstücke an. Dann gibt es noch Randerscheinungen, wie Jungle-Fans, die nach den Tapebox-Reihen suchen, die bei den englischen Groß-Raves aus den 90er-Jahren aufgenommen wurden. Ich bin gespannt, wann die Hipster im großen Stile so richtig aufspringen werden.

Dash: Was ist Deine Idee und Motivation hinter der Beschäftigung mit Musikkassetten?

Dennis “Smu” Klein: Momentan geht es vor allem um dieses Independent-Ding. Ich unterstütze kleine Underground-Künstler und Labels und erhalge im Gegenzug wieder etwas Physisches, zu dem ich eine Beziehung aufbauen kann. Ausserdem kann man/frau sich momentan noch gut mit einem Walkman abgrenzen. Das finde ich gut. Bisher werde ich damit auf der Straße angesehen wie ein Alien. Abgrenzung verstehe ich nicht im Hipster-Sinn einer stilisierten Pseudo-Individualität gegenüber anderen Menschen, sondern als eine Abgrenzung zu Internet und Streamingdiensten. Das ist für mich ein Statement pro Independent-Kultur. Außerdem waren für mich Tapes ein Teil meiner Jugend. Ich bin damit aufgewachsen Sendungen wie “1Live-Treibhaus” oder Mixes von BFBS aus dem Radio aufzunehmen und mir die Tapes immer wieder anzuhören. Dann gab es noch die berühmt-berüchtigten Mixtapes. Eine Wissenschaft für sich: Das waren immer auf eine bestimmte Person abgestimmte Kassetten, bei denen Zusammenstellung, Reihenfolge, Laufzeit eine wichtige Rolle eingenommen haben. Ziel war es, das für diese Person perfekt passende Tape zusammenzustellen. Wenn man jemandem ein Mixtape geschenkt hat, hatte das immer eine Bedeutung und Message. Das ist vermutlich heute nicht unbedingt für jeden nachvollziehbar – aber ich mochte diese subtile Art etwas auszudrücken. Ich hatte ausserdem immer lieber einen Walkman als einen Discman, da der Antischock nie funktionierte.

Dash: Geht es auch um eine Art Entschleunigung oder bewusstere Wahrnehmung von Musik und Kunst – zum Beispiel durch Verknappung, durch den Verfall des Materials, durch Verzicht auf moderne Handhabungen?

Dennis “Smu” Klein: Entschleunigung eher nicht, Wertschätzung vermutlich eher. Die Kleinstauflagen (oft nur 25 Einheiten Weltweit) spielen da auf jeden Fall hinein. Sowie der Überdruss gegenüber dem Online-Geschäft, bei dem wieder einmal nur die Big Player profitieren. Wenn man/frau nur Musik am Fließband herausbringen will, dann ist die Online-Strategie vermutlich funktional. Aber die schiere Masse an Files ist oft nicht mehr handhabbar und Benutzer enden in der Filterqubble ihres Kaufverhaltens. Dabei gehen gerade kleine Indie-Labels unter. Wenn man/frau darauf keine Lust hat, muss man/frau etwas mehr machen – sowohl als Konsument, wie auch als Produzent. Tapes können da (noch) ein Weg sein um aufzufallen und etwas Aussergewöhnliches zu bieten. Als Künstler ist es wichtig auch etwas selbst herstellen zu wollen und es sollte klar sein, dass dies immer Arbeit bedeutet und sich oftmals monetär nicht lohnt. Als Käufer muss man sich wieder mehr informieren – so wie früher.

Dash: Ist die Tape-Kultur auch ein Thema für zeitgenössiche Kunst oder den DJ-Kontext?

Dennis “Smu” Klein: Tape ist eine Randerscheinung und wird es auch zukünftig bleiben. Ich gehöre eher zu der Minderheit, die Kassetten als eigene Kunstform ansehen, weil ein Künstler eben alles machen kann. Es gibt einen Audio-Teil, einen visuellen und einen haptischen. Aller diese Teile können von einem Künstler gestaltet werden. Bei Vinyl oder CD ist die Bearbeitung des haptischen Teils nicht möglich, da man sonst den akustischen beeinflusst. In der Kunst spielt Tape nur dann eine Rolle, wenn das physische Medium verfremdet wird, also etwas aus den Kassetten oder dem Bandmaterial geformt / gebaut wird. Da spielt dann der Recycling- / Upcycling-Gedanke oder die Ikonographie der Kassette, als Relikt der Vergangenheit, eine Rolle.
Tape-DJs waren immer nur eine Randerscheinung. Bei DMC-Championships gab es in den 80ern mal vereinzelt Tape-Showcases, aber die liefen auch immer ausserhalb der Competition. Im Club habe ich noch keinen CJ gesehen. Die einzigen Fälle, die mir einfallen, sind im Radio oder bei Hochzeiten im arabischen Raum. Meist, weil es die Songs dort einfach nicht anders gab. Diese Hochzeit-DJs arbeiteten oft als Team, ein wenig so wie bei bei jamaikanischen Soundsystems: Es gab einen Selector, der den nächsten Song herausgesucht hat, dann jemanden, der die Kassette an die richtige Stelle gespult hat, und denjenigen, der diese dann im richtigen Moment abgespielt hat. Es gibt ab und zu mal Bring-your-own-Tape-Partys. Letztens war im “Salon Fink” in der Dortmunder Nordstadt so eine Party – aber da kommen meist Kellerfunde oder Hörspiele ins Deck. Das hat mit Tape-Kultur eher wenig zu tun.

tape culture_shirt (c) Steffen Korthals

Dash: Ist die Tape-Kultur eher eine private Sache oder etwas, was fast ausschließlich im virtuellen Raum stattfindet?

Dennis “Smu” Klein: Tape war und ist eine Privatsache. Früher hatte man/frau ja hauptsächlich etwas für sich aufgenommen – und im Grunde ist es so geblieben. Man/frau nutzt seine Tapes selbst, im Auto, Deck oder Walkman. Ich kenne nur eine einzige Kassetten-Convention – in Austin, Texas. Austin ist aber ohnehin bekannt für seine Musikfestivals und Indie Kultur. Im Netz gibt es natürlich Blogs und die Labels – sowie auch ein paar Foren für Technik oder einzelne Genres.

Dash: Du machst auch selber ein Label. Was macht TUMA?

Dennis “Smu” Klein: TUMA ist ein Projekt von Marc Jost (eldoradio*: “Drehmoment”), Udo Müller aka OUD., DJ Selec (eldoradio*: “Schwarzmarkt”) und mir. Wir betrachten es weniger als Label, sondern mehr als Plattform mit zwei Schwerpunkten: Zum einen geht es um Tape-Kultur als solche. Ich schreibe Reviews zu aktuellen Tapes, die ich mir gekauft habe, und berichte über Neuigkeiten. Ausserdem haben wir einen Link-Bereich, der ständig wächst, um einen Einstieg in die Kassettten-Kultur zu vereinfachen. Mir fehlte so etwas bisher und ich musste mir meinen Grundstock an Labels und Infos selbst zusammensuchen. Die Zahl unserer Leser ist überschaubar. Es freut mich aber zu sehen, dass unser Blog auch Menschen z.B. in Frankreich oder China erreicht. Auf der anderen Seite veröffentlichen wir auch selbst kleine Auflagen an Kassetten. Das ist unsere eigene Musik und die von befreundeten Künstlern. Dabei steht der Künstler ganz im Mittelpunkt des jeweiligen Tapes. Jeder kann einfach das machen, worauf er / sie Lust hat – ohne Einschränkungen. Wir achten nur auf ein Mindestmaß an Qualität. Wir haben keinen bestimmten Sound. Und es kann sein, dass auch bestimmte Künstler keinen Signature-Sound haben, da sie einfach gern experimentieren. Oft findet aber man/frau gerade mit den Experimenten keine geeignete Plattform und so bleiben Ideen liegen. Künstler können nur wachsen, indem man/frau ihnen die Möglichkeit gibt sich der Öffentlichkeit zu stellen. Nur gibt es bei uns nicht den Druck eines Labels oder einer Galerie etwas zwingend verkaufen zu müssen. Wir können uns Experimente leisten – und genau das wollen wir auch. Jeder tickt anders. OUD.s Ansatz und meiner sind musikalisch und von der Optik her unterschiedlich. Aber wir verstehen, was der andere damit ausdrücken will. Wenn jemand Hilfe braucht, unterstützen wir uns natürlich auch gegenseitig. Wir teilen uns den Namen der Plattform, den Einkauf, den Vertrieb und das Know-How – aber am Ende steht jedes Werk für sich. Am Besten ist es, wenn der Künstler wirklich alles selbst gestaltet: Cover, Kassette, Extras und Musik. Ich sehe TUMA eher ein wenig in der Tradition der Serials in der Kunst, wobei der Vergleich schon etwas hoch gegriffen ist.

Dash: Gibt es Pläne, wagst Du Prognosen für Eure Seite, Euer Label und die Kassetten-Kultur im Allgemeinen?

Dennis “Smu” Klein: Wir haben derzeit alle ein paar Eisen im Feuer, die in den nächsten Monaten herausgebracht werden sollen. Dann werden wir auch stärker auf andere Künstler zu gehen, wenn diese Interesse haben. Ich werde weiterhin Tapes sammeln und Beiträge für den Blogteil von TUMA schreiben. Ich warte noch auf Lieferungen aus den USA und China. Ausserdem fliege ich nach Japan und bin gespannt, was ich in Tokyo Interessantes an Kassettenmusik entdecken kann. Wachstum interessiert uns nicht wirklich. Klar ist es toll, wenn jemand sich für die Beiträge interessiert oder unsere eigenen Tapes, aber wir arbeiten nicht an einem Hype! Uns pushed es gerade dies so zu tun, wie wir es tun. Und solange wir Spaß daran haben, machen wir das auch einfach so weiter.
Was Tape-Kultur allegemein betrifft: Einen Hype wie bei Vinyl wird es nicht geben. Ich gehe davon aus, dass ich zukünftig ein paar Hipster in Berlin mit Walkman sehen werde, die dies eher als ironisches Werkzeug benutzen und ihre Tapes bei “Urban Outfitters” kaufen, sich aber nicht weiter interessieren werden. Größer wird der Hype aber nicht werden. Dafür ist es vielen dann doch zu umständlich und die Nostalgiker bleiben dann doch bei Vinyl. Aber ich denke, die Anzahl an Labels und Kassettenveröffentlichungen werden in den nächsten Jahren steigen und wir werden noch einige interessante und ambitionierte Leute und Releases erleben.

TUMA online:
http://www.fu-tong.com/tuma/wordpress/
https://tumakassetten.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/TUMAKassetten/

http://www.tumakassetten.de/

About Dash

Dash ist seit zwanzig Jahren als DJ in der hiesigen Clubkultur unterwegs und erfolgreich. Als Journalist, Redakteur, Pressesprecher, Radiomoderator und Autor tummelt sich Steffen Korthals / Dash im urbanen Leben und in kulturellen, gesellschaftlichen und künstlerischen Diskursen der Zeit.

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